Im vergangenen Jahr hat die Landessynode der Württembergischen Kirche den Weg frei gemacht, dass Kirchengemeinden Gottesdienste zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare feiern können. Auch wenn dies noch keine volle Gleichberechtigung ist, war sich der Kirchengemeinderat einig, dass auch in Eglosheim Segnungsgottesdienste möglich sein sollen.

Weil dieses Thema in der Landeskirche sehr umstritten ist, gibt es für eine Kirchengemeinde einige Auflagen, die zu erfüllen sind. Eine ist, dass die Gemeinde ausführlich informiert und Raum zur Diskussion geschaffen werden soll. Wie lange es nicht möglich sein wird, größere Gemeindeversammlungen abzuhalten, wissen wir noch nicht. Daher wollen wir wenigstens auf diesem Weg informieren und dazu anregen, wenn Sie Fragen haben oder uns Ihre Meinung sagen wollen, gern an die Pfarrerinnen zu schreiben, anzurufen oder die KGRs anzusprechen.

Wenn eine Sache in der Kirche umstritten ist, fragen wir immer zuerst danach, was denn in der Bibel steht. Dort ist Homosexualität, im Sinn von gelebten Beziehungen, persönlichen Neigungen oder Empfindungen kein Thema. Im Genaueren finden sich an 7 Stellen eindeutige Verurteilungen von homosexuellen Handlungen von Männern, von denen 4 (1.Mose 19; Ri.19, 1.Kor.6 und 1.Tim.1) Prostitution, Vergewaltigung und Missbrauch verurteilen und nichts über eine Partnerschaft aussagen. Zwei andere Urteile finden sich im 3. Buch Mose (18,22; 20,13). Wer Homosexualität verurteilt, unterstreicht, dass diese Verse für sich sprächen. Dagegen lässt sich aber sagen: Diese Verse sind Teil einer ganzen Gesetzessammlung, von der wir bis heute manches für richtig übernommen haben. Viele der Regeln aber würde heute niemand mehr unterschreiben – und das haben, z. B. was die Speiseregeln, die Todesstrafe und die Vielehe angeht, auch die ersten Christinnen und Christen schon so gemacht. Die Regeln, aus der Sammlung, die auch heute noch jeder kennt, sind die, die dem entsprechen, was für Jesus wichtig war, z.B.: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!

Im Römerbrief sagt Paulus, dass es wider die natürliche Ordnung sei, wenn Männer bei Männern lägen (Römer 1,27). Auch diese Aussage wird von denen, die sich gegen eine gleichgeschlechtliche Ehe aussprechen, als Verbot gelesen. Andererseits ist durchaus in Frage zu stellen, was Paulus als natürliche Ordnung bezeichnet – dazu gehört für ihn ja auch, dass die Frau in der Gemeinde schweige; dass sich keine Frau ihre Haare schneidet und anderes, was aus unserer Perspektive alles andere als natürlich ist. Hier geht er von seinem Weltbild aus, das mit unserem nicht übereinstimmen muss. Anders ist es mit den wunderbaren Bildern, die Paulus für die göttliche Ordnung findet, wo er betont: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28)

Mit diesen Bibelstellen ein Verbot der Segnung zu begründen, wäre aus unserer Sicht ein theologisch nicht angemessenes Herausreissen einzelner Bibelstellen, die wir in ihrem Umfeld sorgfältig auslegen sollten.

Wenn Ehe in der Bibel Thema ist, dann oft im Zusammenhang mit der Frage, was denn Ehebruch ist und wie mit EhebrecherInnen umzugehen sei (z.B. 3. Mose 18; Joh 8). Wobei hier Ehe durchaus die Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen (z.B. Abraham 1. Mose 16) sein kann; die Versorgung einer Witwe im rechtlichen Sinn oder die Notlösung, wenn sexuelle Enthaltsamkeit nicht möglich ist (1. Kor 7). Auffällig ist, dass meist, wenn über die Ehe diskutiert wird, die Frage danach im Mittelpunkt steht, wie denn ein gutes, richtiges, gottgefälliges Leben möglich ist.

Über ein solches Leben stellt Jesus das Doppelgebot der Liebe: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! (Matthäus 22,37ff).

Deshalb ist auch für Martin Luther die Ehe ein „weltlich Ding“; eine von Menschen gemachte Ordnung, für die nach unserer aktuellen Trauagende gilt, was allen Menschen gesagt ist: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den anderen und vergebt euch untereinander. (Kolosser 3,12ff).

All dies ist aus unserer Sicht vielmehr Grund, sich weiterer Diskriminierung entgegenzustellen, als gleichgeschlechtliche Liebe zu verurteilen.

 Wenn uns nun also heute klar geworden ist, dass Gott seine Menschen viel diverser geschaffen hat, als man das lange wahrgenommen hat und wir glauben, dass Gott alle Menschen gleich würdigt, dann ist es an uns, dies auch in angemesseneren Ordnungen zum Ausdruck zu bringen.

Zu diesem Schluss kommen die Theologieprofessoren der Universität Tübingen, wenn sie schreiben: „Wir erkennen angesichts stark gewachsener Erkenntnis in anderen wissenschaftlichen Disziplinen heute dankbar, dass Gottes Schöpfung diverser ist, als man das in früheren Jahrhunderten wahrzunehmen vermochte. Alle Menschen, welcher geschlechtlichen Prägung auch immer, sind durch den Schöpfer gleich gewürdigt. Es entspricht daher dem Charakter der guten Schöpfung Gottes wie dem des Evangeliums, wenn auch gleichgeschlechtliche Beziehungen wie alle anderen partnerschaftlichen Beziehungen in Freiheit gestaltet werden.

Die Behauptungen, solche Beziehungen seien „Sünde“, die Ehen gleichgeschlechtlicher Paare würden nicht dem Willen Gottes entsprechen, und ihnen sei daher Segenszuspruch vorzuenthalten, zeigen einen hermeneutisch verfehlten Umgang mit dem biblischen Text und sind daher theologisch nicht haltbar.“

Deshalb wollen wir uns dafür einsetzen, dass keinem verheirateten Paar, das Gottes Segen wünscht, dieser verweigert wird!